WIE MAN DIE AUßERORDENTLICHE FORM FRIEDLICH UND NACHHALTIG IN EINER PFARREI VERWURZELT
Brief 67
Drucken An einen Freund sendenPartagez sur TwitterPartagez sur Facebook

 
 
Diesen Monat laden wir Sie dazu ein, einen sehr interessanten und originellen Vortrag von P. Milan Tisma zu lesen, die am Ende des ersten Summorum Pontificum Kongresses Ende Juli in Chile gegeben wurde und den wir zu Papier gebracht haben.

P. Milan Tisma ist der Kaplan der Magnificat Vereinigung, einer chilenischen Gruppe der Una Voce. Gleichzeitig ist er Pfarrer der Hl.-Johannes-vom-Kreuz Pfarrei in Santiago. Seit seiner Weihe 1997 von den Händen Kardinal Oviedos, dem damaligen Erzbischof von Chile, zelebrierte er die alte Messe. Im Jahr 1991 hatte er darüber nachgedacht, das Diözesanseminar zu verlassen, denn er musste wegen seiner Affinität zur Alten Messe regelrechte Verfolgung erleiden. Erzbischof Oviedo ermutigste P. Tisma zu bleiben und versprach dem jungen Mann seine Unterstützung und seinen Schutz. P. Tisma hatte dieses Angebot gerne angenommen und wurde als letzter Weihekandidat vom Erzbischof geweiht, bevor der Bischof verstarb.

Soviel zum Hintergrund von P. Tisma. Er hat die traditionelle Messe im Gymnasium durch einen Jesuitenpater kennengelernt, dem damaligen Kaplan von „Magnificat“. Er referierte beim Summorum Pontificum Kongress in Santiago zum Thema der Feier der außerordentlichen Form auf Pfarr-Niveau.

Wir fassen hier die wichstigsten Punkte des Vortrags von P. Tisma zusammen.



P. Milan Tisma, Kaplan des Magnifikat Verbandes von Santiago de Chile.


I – Den Sinn des Heiligen wiedergewinnen

Lange vor seiner Wahl zum Papst erklärte der Papst des Motu Proprio Summorum Pontificum, Kardinal Ratzinger, klar und deutlich, dass die Kirchenkrise mit der Art zusammenhängt, wie wir die Liturgie behandeln. Später würde er auf dieser Tatsache beharren, dass der Sinn des Heiligen verloren wurde, der ein grundlegendes Element gegen die Säkularisierung ist. Es wurde zu einem Thema, dasin seinem ganzen Pontifikat aktuell blieb.

Eine der offensichtlichsten und dramatischsten Konsequenzen der Liturgiereform war der Verlust des Sinns für das Heilige. P. Tisma hält daran fest, dass die Wiederentdeckung des Heiligen der erste Schritt einer liturgischen Erneuerung auf Pfarrebene sein muss.

Sich auf die Definition des Heiligen stützend, die der deutsche Lutheraner und Theologe Rudolf Otto als (1) mysterium tremendum et fascinans formulierte, erklärt P. Tisma, dass der zeitgenössische Mensch zum Heiligen zurückkehren muss, indem er die Begegnung mit dem „gewaltigen“ und „faszinierenden“ Geheimnis erleben muss, nämlich das Eindringen des Himmels in das Irdische durch die Person unseres Herrn Jesus Christus. Was kann gewaltiger und faszinierender für uns Sterbliche sein, als die Fleischwerdung, das Leben, der Tod und die Auferstehung des Sohnes Gottes?

Die katholische Liturgie, die traditionell als „Haus Gottes und Himmelspforte“ verstanden wird, wie die Jungfrau Maria, war lange Zeit eine treue Spiegelung des großen Geheimnisses, der Niederkunft des Himmels auf der Erde. Leider hat die moderne Liturgie die Fähigkeit verloren – sie hat ihren faszinierenden Charakter eingebüßt – indem sie sich vom mysterium tremendum abgewandt hat. Die Unterdrückung des Opfercharakters der Messe im Missales Pauls VI. und in den Übersetzungen der Langessprachen haben weiterhin den Weg für Zelebranten geebnet, buchstäblich um den Altar zu tanzen oder die Messe in eine einfache Erinnerung an das Abendmahl zu verwandeln. Aber ohne Opfer gibt es kein Geheimnis, weder tremendum noch fascinans.

Desweiteren, so fügt P. Tisma hinzu, gibt es ohne das Geheimnis in der Liturgie keine Epiphanie der Herrlichkeit Gottes und seiner vollkommenen Heiligkeit.

Für ihn ist es klar, dass „ein Apostolat der außerordentlichen Form zur Wiederentdeckung des Sinnes des Geheimnisses beitragen muss“. Die traditionelle Messe, sei es eine stille Messe, eine gesungene Messe, oder ein Hochamt, muss alles daran setzen und sich zum Ziel setzen, das Heilige an unsere Zeitgenossen zu bringen. Es liegt in den Händen der Hirten, die Gläubigen zu schocken – im medizinischen Sinn des Wortes – ohne sie abzuschrecken.


II – Beitrag zum liturgischen Frieden

12.000 Kilometer von Paris entfernt, wo Paix Liturgique sein Abenteuer begann, liegt eine Pfarrei mit einem Pfarrer, der in utroque usu zelebriert, in beiden Formen des römischen Ritus, zweifelsohne ein Instrument für den liturgischen Frieden. Für P. Tisma haben Pfarrer die Aufgabe für eine Versöhnung unter den Gläubigen zu arbeiten und ohne Ausnahme, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden liturgischen Mitteln, die außerordentliche Form in den Pfarreien anzubieten, die einen Wunsch danach haben. Was mehr gibt es da hinzuzufügen?


III – Ein gemeinsames Heim (wieder)errichten

Seit der Liturgiereform haben Christen nur eine zerstörte, deformierte und oberflächliche Liturgie kennen lernen können. Nicht nur ihr Wissen und ihr Geschmack für eine heiligen Liturgie ging dabei verloren, sondern auch ihr gemeinsames Heim, das, was Klaus Gaber die Heimat nannte, den Ort, von dem man abstannt; für Katholiken: das Zuhause.

Diese Heimat haben wir verloren, weil es keine zwei identischen Messe mehr auf der Welt gibt. Von einer Kirche zur anderen, von einem Sonntag zum nächsten zelebrieren Priester auf die Weise, die sie kennen, wie sie eben können, wie sie wollen. Der Katholik, der keine Heimat mehr hat, wird ein liturgischer Ausländer, ein Gläubiger ohne sicheren Ort, seinen Glauben in Frieden nähren zu können.

„Wir Priester,“ erklärt P. Tisma, „können und müssen diese Heimat wieder errichten, um unseren Gläubigen ein Zuhause zu geben.“ Auf diese Weise, so glaubt er, können Priester einen Beitrag an der Reform der Reform leisten. „Wir können Mitarbeiter einer gegenseitigen Befruchtung sein, indem wir die zwei verschiedenen Formen des Ritus Seite an Seite existieren lassen.“


IV – Ein schrittweises Herangehen

Achtung! Lassen Sie uns auf Revolution nicht mit Gegenrevolution antworten, und damit womöglich noch mehr Unordnung schaffen.

P. Tisma hat keine Angst davor, Direktiven vorzuschlagen, denen man folgen kann, um die außerordentliceh Form in einer Pfarrei zu verwurzeln: schrittweises Vorangehen. Willkürliche und voreilige Methoden sind eine Versuchung der widerstanden werden muss, denn die liturgische Bildung der Gläubigen muss bei Null beginnen. Änderungen in der Liturgie müssen von von einer angemessenen Katechese über die Liturgie selber begleitet werden, ihre Struktur, ihr Kalender, der Altardienst, Musik, Gewänder, Latein und so fort.

Weiterhin gibt es nicht viele Pfarreien, in denen man alles Notwendige finden kann, um die traditionelle Liturgie zu zelebrieren, denn oft wurden liturgische Gegenstände verkauft oder nach dem Konzil vernachlässigt.

Ein weiteres Prinzip, das P. Tisma erwähnt ist die Kontinuität. Er gründet sich damit auf Professor Kwasniewski und empfielt, Unklarheiten der Rubriken des neuen Missale dafür auszunutzen, soweit es geht die alten Traditionen beizubehalten, wenn es denn möglich ist. Diese Prinzip vervollständigt das Prinzip des Gradualimus und erlaubt es Gläubigen und Messdienern langsam das Erbe „Benedikts XVI. neuer Litugie“ wahrzunehmen.


V – Konkret und sichtbar


P. Tisma während einer der Arbeitssitzungen während des chilenischen Kongresses.

P. Tisma schlägt durch seine eigenen Erfahrungen entstandene Initiativen denjenigen Pfarrern vor, die die Liturgie neu orientieren wollen, um Gott die Anbetung zu geben, die ihm zusteht. Das Leitprinzip ist einfach: Christus rückt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zurück.

Das Heiligtum muss wieder zum Tempel Gottes werden, nicht eine Bühne für den Tanz des Zelebranten. Der Priester, mit Hilfe seines Sakristans, muss dem Beispiel Benedikts XVI. folgen, und das Kreuz und die Kerzen wieder auf den Altar stellen. Dann, wenn möglich, sollte man den Volksaltar weiter nach hinten schieben, wenn er zu weit vorne steht. Die Idee dabei ist, dass man beide Formen auf einem Altar zelebrieren kann, damit sich für die Gläubigen ein und dieselbe Heimat bildet.

Klaus Gamber erklärt, dass der Altar wieder und wieder bedeckt werden muss. In seiner eigenen Pfarrei hat P. Tisma das Antependium wieder eingesetzt. Es dient den Gläubigen als sichtbare Stabilität und erlaubt ihnen die liturgische Zeit und Farbänderung mitzuvollziehen, wenn möglich. Wenn einmal das Sanktuarium wieder hergestellt ist, ist der nächste Schritt, die Messe versus Deum zu zelebrieren, mit entsprechender Begleitkatechese. P. Tisma hat das im Advent für das folgende liturgische Jahr vorbereitet.

Dann schlägt P. Tisma vor, dass die Höhepunkte des liturgischen Jahres den Gläubigen eine Möglichkeit bieten, schrittweise die außerordentliche Form zu entdecken, der Gradualität der traditionellen Liturgie entsprechend. In seiner Pfarrei verlässt sich P. Tisma auf eine Instruktion von 1960 der chilenischen Bischöfe – die damit auch das Missale von Johannes XXIII. betrifft – die die sogenannte „Gemeindemesse“ anrät, eine gesungene stille Messe mit einem Laien, der die Bewegungen und den Gesang der Gläubigen anleitet.


VI – Während der Feier

Die folgenden Ratschläge betreffen die Feier der ordentlichen Form. P. Tisma formulierte sie so als Antworten auf die Fragen der Kongressteilnehmer aus. Natürlich handelt es sich dabei nicht um strenge Regeln, sondern um Vorschläge, die einzeln von jedem Preister so aufgenommen werden können, wie es die Umstände in seiner Pfarrei und seine eigene Bildung erlauben.

Zunächst gibt es Vorschläge bezüglich der öffentlichen Aspekte der Feier:
>Das Glaubensbekenntnis auf Lateinisch rezitieren lassen;
>Den Friedensgruß unter der Woche vermeiden;
>Zeiten der Stille fördern und erweitern;
>Weihrauch wieder einführen;
>Regelmäßig über die Kommunion predigen;
>Eucharistische Anbetung fürdern und eine Katechese über das Knien geben.

Dann gibt es noch weitere, die den Zelebranten betreffen:
>Die Gaben in Stille vorbereiten;
>Den Daumen und den Zeigefinger nach der Konsekration zuusammenhalten;
>Die Finger nach der Kommunion erst mit Wein und dann mit Wasser purifizieren, wie es der traditionellen Praxis entspricht;
>Eine leichte Kopfverneigung immer dann machen, wenn die heilige Dreifaltigkeit, der heilige Name Jesu, Mariä, des Papstes oder des Tagesheiligen erwähnt wird.

In der Einbürgerung der beiden Formen bereits weiter fortgeschrittene Priester könnten, wenn sie entweder die außerordentliche Form bereits zelebrieren oder lernen wollen, P. Tisma gemäß, diese privaten Andachstübungen einzuüben: Psalm 42 rezitieren (der Psalm des Studengebetes), wenn man von der Sakristei zum Altar zieht, die drei Kommuniongebete während des Schweigens im Anschluss an das Agnus Dei beten; beim Auszug vom Altar das Schlussevangelium beten.
Dann gibt es auch keinen Grund für den Priester, das Birett oder einen Manipel nicht zu tragen, wenn er den Wunsch danach hat.

Wir fügen hinzu, dass P. Tisma, als Antwort auf die Frage eines anwesenden Priester, erklärt, dass die Feier der außerordentlichen Form einen stark französischen Einfluss hat, wegen historischer Gründe (siehe Écône und SSPX). Aber in Chile dominiert die spanische Tradition und aus diesem Grund versucht P. Tisma und die „Magnificat“ Vereinigung die spanischen Gebräuche zu fördern, wie beispielsweise den Namen des jeweiligen Kirchenpatrons während des Confiteor mitzusprechen, den Nutzen der cucharilla (Löffelchen für den Messkelch), um dem Wein im Kelch Wasser zuzufügen, die palmatoria (Kerzenhalter für Messdiener während der Kommunion) oder selbst das tragen von Himmelsblauen Messgewändern am Fest der Unbefleckten Empfängnis.

All diese Elemente zusammen tragen dazu bei, die Gläubigen mit dem Schönsten und Besten ihrer Heimat zu konfrontieren, einem Heimatland, in dem nur eine Sonne aufgeht, nämlich Christus.


VII – Wer sind die Gläubigen?

Um diesem weitreichenden und originellen Vortrag zu beenden, wollte P. Tisma eine umfassende Erklärung über die Gläubigen zu geben, die er in seiner 20 jährigen Arbeit über die Jahre als Anhänger der traditionellen Liturgie erkannt hat. Diese wunderbare Sache zieigt, wie universal dieses Portrait ist.

„Zum einen gibt es da die alten Hasen, die die Messe aus ihrer Kinder-Heimat noch kennen und die Messe auswendig können. Diese haben die Jahre der Verwirrung mit Narber überstanden, aber sehen am Horizont Zeichen des liturgischen Friedens und sind hoffnungsvoll. Dann gibt es solche, die von der neuen Messe und der liturgischen Missbräuche der postkonziliaren Liturgie verwundet wurden und sich heimatlos fühlen. Schließlich gint es die Jugendlichen, die nach dem Heiligen trachten und das Internet nach dem durchsuchen, was sie „Benedikts XVI. neue Messe“ nennen. In jeder dieser Kategorien gibt es natürlich auch die Neugierigen, die aficionaso und die Fanatiker.“ „Aber“, so fügt er mit einem Lächeln hinzu, „nicht weniger als in der neuen Messe auch.“

-------
(1) Das Heilige: über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen, Rudolf Otto, C.H.Beck, 2004, 229 Seiten.