18. Kölner Internationale Liturgische Tagung: Summorum Pontificum als „Quelle der Zukunft“
Brief 74
Drucken An einen Freund sendenPartagez sur TwitterPartagez sur Facebook

 
 
Vom 29. März bis 1. April wird die 18. Internationale Tagung in Herzogenrath, einem kleinen Ort in der Nähe von Aachen, stattfinden. 

Paix Liturgique wird daran teilnehmen und hat den Organisator der Tagung, P. Guido Rodheudt, um ein Interview gebeten. Dieses stellen wir unseren Lesern hiermit vor. Die Tagung ist dieses Jahr von besonderer Bedeutung, denn sie zieht eine erste Bilanz des Motu Proprio von Benedikt XVI., 10 Jahre nach seiner Veröffentlichung. Der Vortrag von Kard. Robert Sarah wird während der Tagung vorgelesen werden, zudem nimmt an der Konferenz Mons. Alexander Sample, Erzbischof von Portland (USA), Teil, der ein authentischer Seelenhirte und beiden Formen des römischen Ritus aufgeschlossen ist (lesen Sie dazu die Briefe 37 und 70).




INTERVIEW MIT PFARRER G. RODHEUDT


1. Eine kurze persönliche Biographie. Außerdem, wann haben Sie die Alte Messe neu entdeckt?

P. Guido Rodheudt: 
Ich wurde im Jahre 1964 in Aachen. Von daher gehöre ich nicht zur Erlebnisgeneration, was die Alte Messe betrifft. Studiert habe ich Philosophie und Theologie an den Universitäten Bonn und Augsburg und wurde 1989 zum Priester des Bistums Aachen geweiht. Anschließend erfolgt ein Einsatz in der Gemeindeseelsorge und 1996 die Promotion zum Doktor der Philosophie an der Universität Regensburg. Seit 2000 bin ich Gemeindepfarrer in Herzogenrath bei Aachen. Im Jahre 2001 habe ich mit einigen Mitbrüdern eine Initiative zur Vernetzung von Priestern und Diakonen ergriffen, die aufgrund ihrer Glaubenstreue und auch wegen ihrer korrekten liturgischen Praxis auf Schwierigkeiten mit dem kirchlichen Establishment stoßen. Das Netzwerk katholischer Priester verbindet ca. 500 Priester, die sich unseren Grundsätzen lehramtsgetreuer Verkündigung und ordnungsgemäßer Sakramentenspendung verpflichtet wissen. Seit 2009 bin ich Mitveranstalter und geistlicher Direktor der Internationalen Kölner Liturgischen Tagung. Nebenbei publiziere ich als Autor des Vatican Magazin und der UNA-VOCE-Korrespondenz zu kulturkritischen und liturgischen Themen.

2. Können Sie kurz die Liturgische Tagung erläutern? Worum handelt es sich? Wann findet sie statt? Wie oft? Wann wurde sie gegründet?

P. Guido Rodheudt: 
Unsere Konferenz bemüht sich seit fast 20 Jahren auf hohem Niveau um die Erhaltung der klassischen römischen Liturgie und um deren positive Wirkung auf das liturgische Leben der Kirche insgesamt bemüht. Sie wurde ursprüngliche vom Initiativkreis katholischer Priester und Laien im Erzbistum Köln gegründet. Später traten andere Mitveranstalter hinzu, wie der entsprechende Initiativkreis aus Hamburg und die deutsche Una-Voce e.V. Seit 2009 ist meine Pfarrei St. Gertrud Ausrichter und ebenfalls Mitveranstalter. Dies hat der Tagung einen gewissen Aufschwung verschafft. Zunächst ist sie eingebettet in das normale Leben einer Pfarrei und nicht eine esoterische Veranstaltung an einem abgelegenen Ort, den nur die hartgesottenen Fans aufsuchen würden. Wir haben seither immer ca 200 Teilnehmern an vier Tagen. Darunter sind immer ca. 60 Priester, die auch die Gelegenheit nutzen, sich kennenzulernen und auszutauschen. Weil es zwar eine fachbezogene Tagung, jedoch keine spezifische Fachtagung ist, ist die Zusammensetzung unserer Teilnehmer außerordentlich ausgewogen. Die beweist der ausgeglichene Proporzion zwischen Priestern und Laien, Frauen und Männern, Jungen und Älteren, Theologen und Nichttheologen. Im Laufe der letzten Jahre  - nicht zuletzt auch durch die rechtlich abgesicherte Freisetzung der Zelebration der Alten Messe – hat sich bei der Tagung ein offenes Klima des Austauschs gebildet, das der Sache guttut. Es wurde auch Zeit, daß der Schatz der liturgischen Tradition aus der Nische des Vergessens herausgeholt wurde und in der Mitte des kirchlichen Lebens einen Platz bekommen hat. Dazu haben nicht zuletzt die Bischöfe beigetragen, die bei unseren Liturgien nach dem außerordentlichen usus zelebriert haben. Es herrscht immer eine gute Stimmung, die viele bereits am Ende einer Tagung bewegt, sich für das nächste Mal anzumelden. Leider ist das noch nicht in allen Bischöflichen Ordinariaten so angekommen, so daß wir immer noch gegen ein Klima der Verdächtigung ankämpfen müssen, in dem man uns unterstellt, wir seien lediglich Nostalgiker.
 
3. Was ist das Thema der diesjährigen Tagung? Wer kommt? Wo findet sie statt? Ist sie öffentlich? Wieviele Vorträge?

P. Guido Rodheudt: Die Tagung steht diesmal unter dem Thema: „QUELLE DER ZUKUNFT – 10 Jahre Motu proprio „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI.“
Es ist der Tagung ein Anliegen, in diesem Motu proprio nicht nur eine Gunst gegenüber jenen zu sehen, die der überlieferten Liturgie verbunden sind (oder womöglich darin nur einer Nostalgie folgen), sondern es zunächst als einen Impuls zur Rückbesinnung auf die Quellen und das Wesen der Liturgie zu verstehen, um die für eine künftige Erneuerung des liturgischen Lebens der Kirche fruchtbar zu machen. Besonderer Gast in unserer Pfarrei ist Erzbischof Alexander Sample aus Portland/Oregon U.S.A., der in seiner Diözese für einen sehr positiv-offensiven Umgang mit der Alten Messe steht. Ebenfalls aus den U.S.A. wird S.E. Bischof Steven Lopes, (Houston/Texas) an der Tagung als Redner und Zelebrant teilnehmen. Er leitet das Ordinariat „Chair of St. Peter“ für die aus der anglikanischen Kirche konvertierten Gläubigen in Übersee. Er wird am 30. März ein Pontifikalamt nach dem englischen Missale „The Divine Worship – The Missal“ in der Pfarrkirche St. Gertrud halten.
Fr. Cassian Folsom O.S.B., wird als Prior des Benediktinerklosters im Geburtsort des hl. Benedikt in Norcia (Nursia) die Eröffnungsmesse halten und von den schweren Erdbeben in Mittelitalien berichten, die auch das Kloster zerstört haben. Weiterhin werden Professor Graulich aus Rom und Professor Kwasniewski aus den U.S.A.  sowie dem Freiburger Dogmatiker und Liturgiewissenschaftler Professor Hoping. Daneben gibt es noch kirchenmusikalische, kunsthistorische und ostkirchliche Beiträge. Anstelle des Vortrages von Robert Kardinal Sarah, der trotz mehrfacher schriftlicher Zusage seine Teilnahme absagen mußte, wird eine Podiumsdiskussion mit S.E. Erzbischof Sample, Prof. Dr. Markus Graulich (Rom) und Prof. Dr. Kwasniewski, Wyoming (U.S.A.), und mir zum Anliegen Papst Benedikts XVI. einer „Reform der Reform“ der römischen Liturgie stattfinden. ​​Die Tagung endet am 1. April um 10.00 Uhr mit einem Pontifikalamt im usus antiquior, das von S.E. Erzbischof Alexander Sample zelebriert wird. Wegen der Sanierung der Pfarrkirche St. Gertrud wird das Amt in der (ehem.) Abteikirche von Rolduc im niederländischen Teil unserer Stadt (Kerkrade) zelebriert.
Nach der Liturgie findet eine Festakademie zum Abschluß der Tagung statt, bei der der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Martin Mosebach eine Hommage an Benedikt XVI. halten wird.
 
4. Kard. Sarah wird nicht teilnehmen und wir sehen, dass sein Aufruf ad Orientem zu zelebrieren weltweit auf taube Ohren stößt. Ist dies eine Todesanzeige für die Außerordentliche Form oder ist es ein Anlass die Bedeutung der AF neu ins Bewußtsein zu rufen?

P. Guido Rodheudt: 
Was immer Papst Franziskus auch mit seiner Zurückweisung des Anliegens Kardinal Sarahs beabsichtigt hat, die eigentliche Gebetsrichtung der West- und der Ostkirche, nämlich gemeinsam mit der Gemeinde ad orientem ausgerichtet, wieder verstärkt ins Bewußtsein zu heben, ist unbekannt. Schließlich hat Kardinal Sarah damit lediglich an die Aussagen des Zweiten Vatikanum erinnert, das die Zelebration zur Gemeinde lediglich ermöglichen und keineswegs empfiehlt, geschweige denn vorschreibt. Ebenso schleierhaft ist der Wunsch des Papstes, den Begriff der „Reform der Reform“ nicht mehr zu verwenden. Immerhin ist dies ein von seinem Vorgänger, Papst Benedikt XVI. im Jahre 2002 als Kardinal eingeführter Begriff, der seither in der Theolgie- und Liturgiegeschichte einen festen Platz hat. Man darf auch mit Recht behaupten, daß das Motu proprio „Summorum Pontificum“ aus diesem Geist entstanden ist, auf dem Wege zu einer Erneuerung der römischen Liturgie die Grundzüge der großen westliche  Tradition wieder sichtbar zu machen, um sie für eine „Reform der Reform“ nutzbar zu machen. Von daher ist es sicher nicht möglich (und auch nicht ratsam) ein Sprech- und Denkverbot im Hinblick auf diese grundlegenden Absichten Papst Benedikts XVI. zu verhängen. Wir sind froh und dankbar, daß diesbezüglich Kardinal trotz der Absage seiner persönlichen Teilnahme dennoch in einer umfänglichen Wortmeldung in Form eines Referates, das er für unsere Tagung geschrieben hat, zu unserem Generalthema „QUELLE DER ZUKUNFT – 10 Jahre Motu proprio „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI.“ Stellung nehmen wird. Damit fühlen wir uns in unserer Ansicht, daß das Leben der Kirche nicht abgekoppelt werden kann von der Heiligkeit der großen und ungebrochenen liturgischen Tradition, vom Präfekten der Ritenkongregation nachhaltig bestätigt. In Form des Referates, das hier verlesen werden wird, ist Kardinal Sarah nun doch – wenn man so will – bei der Tagung als prominenter Impulsgeber anwesend.
 
5. Aus deutscher Sicht: Wie schätzen Sie das erste Jahrzehnt nach Summorum Pontificum ein und wie bewerten Sie es? Für Deutschland, für den Klerus, für die Kirche?

P. Guido Rodheudt: 
Insgesamt ist Summorum Pontificum ein Befreiungsschlag gewesen. Denn grundsätzlich war es ein Fehler das Rückgrat der abendländischen Kultur wie eine verstaubte Antiquität zu behandeln. Die Freisetzung der liturgischen Praxis nach der großen westlichen Tradition hat bei vielen Priestern und Laien ein neues Bewusstsein für das geweckt für das, was Liturgie und Sakralität bedeuten. Besonders junge Priester und Seminaristen sind oft hoch interessiert am Kennenlernen der „Alten Messe“ – wenngleich das leider trotz aller vielbeschworenen Dialogbereitschaft seitens der Bischöfe, nicht immer ganz risikofrei für die Interessenten ist. Nicht, daß diese jetzt nur noch auf den alten Ritus fixiert wären, aber alleine die Wertschätzung des traditionellen usus führt zu einer stimmigeren Haltung auch zur erneuerten Liturgie und hilft beispielsweise auch zum verantwortungsvolleren Umgang mit den zahllosen Wahlmöglichkeiten im Neuen Meßbuch. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Suchende oder bisher der Kirche fernstehende Gläubige oder auch Konvertiten in der Regel im Alten Ritus wie automatisch ihre Heimat finden, sobald sie ihm begegnet sind. Sie spüren intuitiv, daß hier etwas zu finden ist, was sich dem Zugriff des Zeitgeistes und seiner diversen Handlanger entzieht. Darin war die liturgische Tradition – spätestens seit den Tagen Gregors des Großen – immer schon sehr missionarisch. Dies wird auch so bleiben. Und die Versuche, aus ideologischen Gründen genau dies zu verhindern, wird genau sicher scheitern, wie die Asphaltierung einer Rasenfläche verhindert, daß sich das Gras mit der Zeit dennoch seinen Weg an Licht bahnt....